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INTERVIEW MIT LINDA JASMIN MAYER

Was hat Sie daran interessiert, künstlerisch mit Licht zu arbeiten?

Interessant war für mich, Licht neu zu betrachten und zu erforschen. Mir wurde bewusst, wie groß die Bedeutung des Lichts ist, wie sehr es unseren Blick und unsere Aufmerksamkeit lenkt, uns steuert.

Wie sind Sie an das Projekt herangegangen?


Ich habe viel über Licht nachgedacht und gelesen. Beeindruckt hat mich, wie sehr der Arbeitsrhythmus durch künstliches Licht verändert wurde. Früher konnte nur gearbeitet werden, wenn Licht zur Verfügung stand. Durch die Erfindung des künstlichen Lichts hat sich der natürliche Rhythmus von Tag und Nacht, Arbeit und Freizeit drastisch verändert. Meine Herangehensweise bestand also vor allem darin, besser zu verstehen, was Licht ist und was es für den Menschen bedeutet. Zum anderen habe ich nach einem Ort in Kopenhagen Ausschau gehalten, der relativ dunkel ist. Von den unterschiedlichen Locations, die ich mir angeschaut habe, hat mich die ehemalige Werft am meisten beeindruckt. Ich habe mich intensiv mit diesem Ort auseinandergesetzt und versucht, seine Essenz herauszuholen. Für meine künstlerische Arbeit ist der Kontext immer sehr wichtig.

Die Arbeit entstand im Rahmen der Plattform ewoLAB. Welche Erfahrungen haben Sie in der Zusammenarbeit mit einem Unternehmen gemacht?

Diese Zusammenarbeit war für mich ein großer Lernprozess. Zwei Welten sind hier aufeinandergetroffen. Bei allen Schritten bekam ich professionelle Unterstützung, die Zusammenarbeit hat mir aber auch Grenzen gesetzt. Wenn man alleine arbeitet hat man natürlich mehr Entscheidungsfreiheiten, dafür waren aber eine viel umfassendere Ausführung und Wege möglich, zu denen ich alleine nicht kommen würde. Sehr unterschiedlich ist auch der Arbeitsrhythmus. Ich arbeite flexibel, das kann einmal von 9 bis 17 Uhr sein, aber auch von 8 Uhr bis 8 Uhr morgens des nächsten Tages. Diese verschiedenen Realitäten waren sehr interessant.

Sie haben sich mit dem Thema „Lichtsteuerung“ auseinandergesetzt. Neben dem inhaltlichen Prozess, wie war die technische Komponente des Projekts?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es bei aller Machbarkeit auch nicht wenige technische Grenzen gibt und die Umsetzung einer Idee oft viel komplexer ist als erwartet. Die Technik entwickelte ein gewisses Eigenleben, jedenfalls erschien es so. In dem Moment, wo ich mit einem Unternehmen arbeite und die technische Umsetzung übergebe, verliere ich auch Kontrolle und gebe ab, was ich selbst nicht kann. Das war eine ganz neue Erfahrung für mich. Ich bin es gewohnt, dass ich mache, was ich machen kann und zwar bis zum letzten Moment. Aber wenn es technisch zu komplex wird, muss man sich auf andere verlassen. Ich bin überzeugt davon, dass beide Welten von solchen Erfahrungen profitieren können.

Wie haben Sie den Prozess erlebt?

Die Projektentwicklung war offen und das Arbeiten mit Licht neu für mich. Schön war, dass ich von ewo während der ganzen Zeit großes Vertrauen und Zuversicht erfahren habe und man sich auf einen Prozess eingelassen hat, wo am Anfang lange nicht absehbar war, wie die Installation schlussendlich sein wird.

Einige Worte zum Ergebnis…

Der Grundgedanke war, dass derjenige, der unter dem Licht, das plötzlich erlischt, durchgeht, einen Moment innehält, stehen bleibt und sich fragt, was passiert hier? Dann geht woanders das Licht an und man überlegt, wieso man dahin schauen soll. Mir war wichtig, den geraden Weg und seine Beleuchtung, die unsere Schritte lenkt, für einen Moment zu hinterfragen und andere mögliche Wege und Richtungen aufzuzeigen. Sehr überraschend war für mich aber, dass viele Leute einfach weitergegangen sind und überhaupt nicht darauf reagiert haben, dass sich etwas verändert hat in ihrem Blickfeld. Viele Menschen scheinen ihre Umgebung kaum wahrzunehmen. Was sich dann noch ergeben hat war, dass alles Teil der Installation wurde, das nächtliche Stadtbild, die anderen Lichter, die ein und ausgingen… So hat sich die Installation selbst in ihr Umfeld integriert.

Photography: Linda Jasmin Mayer