ewo ist in Bewegung. Wir verbinden uns. Mit anderen Menschen, neuen Märkten, fremden Kulturen. Wir nehmen bewusst Einflüsse auf und lassen sie zu. Denn wir glauben daran, dass aus solchen Verbindungen Antworten auf die Anforderungen unserer Zeit hervorgehen. Die Reihe ewoLAB initiiert Projekte mit Künstlern, Designern und Architekten und setzt sich dabei auf unterschiedlichen Ebenen mit der Ressource Licht auseinander.

NOVEMBER 2015 „Lightways“ von Linda Jasmin Mayer für ewoLAB: On/off – Nachdenken über Licht

Eine Leuchte am Wegesrand geht aus, das Licht wird auf ein Objekt oder ein Gebäude gerichtet. Einige Male ist das beleuchtete Objekt im Blickfeld des Passanten, einige Male nicht. Manche bleiben überrascht stehen, manche gehen einfach weiter, einige drehen sich um, sind irritiert, ist die Leuchte kaputt? Jemand hat sich sogar gefragt ob es spukt.

Linda Jasmin Mayer hat für ewoLAB in Refshaleøen in Kopenhagen eine Lichtinstallation entwickelt, die sich zurückhaltend in die Umgebung einfügt. Sie arbeitet mit der Beleuchtung des Wegs von und zur Schiffsanlegestelle. Das Areal der ehemaligen Schiffswerft ist rau, alte Fabrikhallen, Werksgebäude, Häuser, zum Teil ungenutzt, zum Teil belebt von den Kreativen vor Ort. Der künstlerische Eingriff ist subtil und nicht für alle offensichtlich. Das gibt Anlass zu Fragen: Wie aufmerksam gehen wir unseren Weg? Wie weit lassen wir uns „ablenken“? Wie hoch oder niedrig ist unsere Aufmerksamkeitsschwelle? Wer innehält und um sich schaut, merkt schnell, dass hier eingegriffen wurde in die gewohnte Beleuchtung des Wegs. Die Künstlerin arbeitet mit der An- und Abwesenheit von Licht. Neue Technologien erlauben heute, dass Leuchten nur in Betrieb sind, wenn sie gebraucht werden, also etwa wenn Autos oder Passanten vorbeikommen. Hier ist es umgekehrt: Ein Sensor, der auf Bewegung reagiert, schaltet die Leuchte kurzzeitig aus.

Zur zeitgenössischen Kunst gehört die Frage, was denn Kunst ist und was nicht. Welche Signale muss Kunst aussenden, um als solche erkannt zu werden? Linda Jasmin Mayer bewegt sich mit ihrer Arbeit „Lightways“ gekonnt entlang einer Grenze. Sie lässt zu, dass ihr Werk auch unerkannt bleibt. Die Künstlerin lenkt mit Licht unsere Aufmerksamkeit auf Objekte der Vergangenheit, die sich am Areal befinden. Betrachtet man die Installation aus der Distanz stellt sich das Gefühl ein, auf ein Bühnenbild zu blicken. Dabei ist die Choreographie jeder Szene ein wenig anders. Entstanden ist eine spielerisch, ephemere Licht-Inszenierung in einem Umfeld vergangener technischer Größe.

Die Installation wurde mit LED-Strahlern von ewo (Modelle P160 und P200) umgesetzt. Die verschiedenen Abstrahlcharakteristiken der Linsenoptiken (eng- und weitgebündelt) ermöglichen ein unterschiedliches Herausheben der Objekte. Als Lichtfarben wurden warmweiß (3.000 K) und kaltweiß (6.000 K) eingesetzt; bei der Beleuchtung eines Masten variiert die Lichtfarbe zwischen diesen beiden Werten.

Die Leuchten kommunizieren untereinander über ein Funkradionetz. Mittels Fernwartung können Funktionen definiert und modifiziert sowie die Anlage in Echtzeit überwacht werden. Die Interaktion wird durch Bewegungssensoren ausgelöst. ewo hat für das Projekt eine individuelle Software-Programmierung vorgenommen, ergänzt durch eine Szenenprogrammierung als Effektbeleuchtung des Masten. Als zentrale Schnittstelle fungiert ein Gateway, das über GSM die Kommunikation mit der Steuersoftware herstellt.

Die Herausforderung bestand auch darin, in die vorhandene Struktur mit möglichst kleinen Interventionen einzugreifen, dennoch eine nachhaltige Wirkung zu erzielen. Alle Daten während der Laufzeit des Projekts werden aufgezeichnet und können entsprechend ausgewertet werden.

Lightways

Lightways

REPORT 1

REPORT 1

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Gedankengänge
Dunkelheit und Licht

In der dunklen, nächtlichen, urbanen Landschaft folgen wir dem Licht. Es zieht uns an. Die Wege, die sich aus unserer Bewegung zum und durch das Licht ergeben, erscheinen vorherbestimmt, geplant, erstellt. Aus der Vogelperspektive betrachtet könnte es den Anschein haben, dass unsere Schritte durch die Dunkelheit gelenkt werden. Nur das Beleuchtete, das Erleuchtete erhält unsere Aufmerksamkeit – darauf richten wir unseren Fokus. Die Dunkelheit selbst und das was sie verhüllt bleiben ein unerforschtes Mysterium am Rande unserer Wahrnehmung.

Doch wie viele Wege verhindern wir, wenn wir ausschließlich diesem vorgegebenen Lauf folgen? Wie viele Wege liegen in der Dunkelheit, denen wir nicht folgen? Wie wäre es, wenn das Licht uns folgen würde – und nicht wir dem Licht? Was, wenn anscheinend Unbedeutendes plötzlich in helles Licht getaucht würde – und nicht jenes, das wir im hellen Licht erwarten? Was wäre, wenn in einem Museum nicht mehr die Gemälde an den Wänden beleuchtet wären – sondern die Steckdose daneben? Können unsere Blicke so leicht gelenkt werden? Und haben wir Angst, ins Dunkel zu schauen?

Das Dunkel ist beängstigend. Gleichzeitig erweckt es unsere Neugierde und stärkt die Vorstellungskraft. Schnell gewöhnt sich das Auge an das Dunkel – viel schneller, als sich das Auge an das grelle Licht gewöhnt. Wer ins gleißende Licht schaut, sieht nichts mehr. Und je stärker das Licht wird, desto schwärzer ist der Schatten, den es erzeugt. Zweifellos gibt es mehr als den Gegensatz von Dunkel und Licht. Dazwischen nähren etliche Schichten von Übergängen und Zwielicht unsere Vision. Doch wie viel Licht reicht aus, um sehen zu können? Meine Suche führt an die dunkelsten Orte der Stadt. Wo sind sie? Warum werden sie nicht beleuchtet? Was verbirgt sich im Dunkeln?                                                      
REPORT 3

REPORT 3

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Lichtwege
Sequenzen aus Licht

Licht zieht an, lenkt ab und leitet die Wahrnehmung. Unsere Blicke und Schritte werden von Licht geführt. Das, was ungesehen in der Dunkelheit verweilt, soll in der Installation auf Refshaleøen beleuchtet werden. In einem alternativen Lichtweg wird Unerwartetes erhellt. Dadurch entsteht eine Choreografie aus Licht und Zwielicht, in der verschiedene Punkte der Insel auf Einwirkungen des Umfeldes reagieren und miteinander in Kommunikation treten.

Einige Elemente der ehemaligen Schiffswerft von Refshaleøen werden beleuchtet und so durch das Licht für einige Momente aus der Dunkelheit gehoben. Die verschiedenen Lichtpunkte der Installation beleuchten Objekte der Vergangenheit, die heute noch, wenn auch zum Teil ohne Funktion, auf der Insel existieren. Dadurch wird die Gegenwart der scheinbar verlassenen Infrastruktur der Schiffswerft, der Zerfall von historischen Monumenten einer Industrie und dessen Zukunft in Frage gestellt.

In dem Zusammenspiel zwischen neuer Technologie und übriggebliebenen Relikten einer Industrie, in dem das Alte nicht von Neuem ersetzt, sondern durch dieses zugänglich gemacht wird, kommunizieren Vergangenheit und Gegenwart miteinander.

Lichtwege

Ein alternativer, visuell sensibler Lichtweg wird am Beginn der Insel, bei der Anlagestelle des öffentlichen Verkehrsschiffes, erstellt. Dieser Weg führt zum Zentrum der Insel.

Durch den Lichtweg soll das Licht als gewohnte automatisierte „Führung“ durch die Stadt hinterfragt und reflektiert werden. Der Weg von der Anlagestelle des Hafen-Busses bis hin zur Mitte der Insel wird punktuell beleuchtet.

Dieser Weg ist ein neues Element der Infrastruktur der Insel, er wurde vor einigen Jahren erstellt und beleuchtet.

Auf dem Lichtweg wird die einzelne Leuchte immer dann plötzlich erlöschen, wenn jemand dessen Lichtkegel passiert. Im selben Moment beleuchtet ein anderer Lichtkegel ein industrielles Relikt in der Nähe, ein Bestandteil der ehemaligen Werft. Wenn das Licht ausgeht, unter dem sich der Vorbeigehende befindet, wird demnach für einen Moment die Vergangenheit beleuchtet. Das Gehen im Dunkeln soll verwirren und verwundern und das automatisierte Bewusstsein unterbrechen bzw. andere Sinneswahrnehmungen ermöglichen. Man nimmt anders wahr, wenn es plötzlich dunkel ist. 

Ein Bewegungsmelder schaltet sich üblicherweise dann ein, wenn man an einer Leuchte vorbeigeht. Das Gefühl von Sicherheit, das sich einstellt, wenn das Licht angeht, wird durch die Installation ins Bewusstsein geholt und sozusagen kritisch „beleuchtet“.

Die Elemente, die in verschiedenen Lichtstärken unmittelbar nach dem Erlöschen der Leuchten des Gehweges, beleuchtet werden, kreieren durch die Reihenfolge ihrer „Erleuchtung“ eine Narration. So wie bei einem fotografischen Blitz soll durch das kurze Beleuchten historischer Elemente ein Nachbild entstehen und durch die Reihenfolge der Nachbilder wiederum eine Geschichte erzählt werden.
OPENING 13. NOVEMBER 2015, TRANSFORMATOR STATION, REFSHALEØEN, KOPENHAGEN

OPENING 13. NOVEMBER 2015, TRANSFORMATOR STATION, REFSHALEØEN, KOPENHAGEN

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Photography: ALEN ALIGRUDIC
LIGHTWAYS

LIGHTWAYS

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Photography: LINDA JASMIN MAYER & ALEN ALIGRUDIC













LINDA JASMIN MAYER

LINDA JASMIN MAYER

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Linda Jasmin Mayer, geboren 1986 in Meran, Südtirol, Italien; lebt und arbeitet derzeit in Kopenhagen. Ausbildung: MFA, Time and Space Arts study programme of the Finnish Academy of Fine Arts, Helsinki 2014; The School of Media Arts of the Royal Danish Academy of Fine Arts in Kopenhagen, 2014-2015. BFA Academy of Fine Arts of Brera, Mailand, Italien 2010. www.lindajasminmayer.net